Ich war bereit für das Wiernsheimer Open Air Konzert. Wie so oft kam ich wieder auf den letzten Drücker los. Die Langatmigkeit des Seins bremste, um pünktlich in die Gänge zu kommen. Aber
ich wäre nicht Emilius der Wahnsinnige, wenn mich das aus dem Gleichgewicht tragen würde. Fanjacke übergestreift und ab ging es zu meinem Gig des Jahres.
Aus der Ferne sah man die Menschenmengen, die sich vor den Einlasskontrollen stauten. Wiernsheim gehört nicht gerade zu den Metropolen, allerdings beim Straßenfest, Feuerwehrhocketze oder
dem »Wiernsheim Open Air«, geht der Teufel mit den Einwohnern baden. Okay das Hard Rock Festival ist jetzt nicht jedermanns Sache, zieht jedoch die Fans der lauten Töne auf die Wiese vor den
Toren des Enzkreisstädtchen.
Ich war bereit für meinen musikalischen Höhepunkt des Jahres.
Wie so oft kam ich wieder auf den letzten Drücker los. Die Langatmigkeit des Seins bremste, um pünktlich in die Gänge zu kommen. Aber ich wäre nicht Emilius das Hardrockorakel, wenn mich
das aus dem Gleichgewicht tragen würde. Fanjacke übergestreift und ab auf mein altes Zündapp ZL 25 Mofa, Richtung Festivalgelände.
Aus der Ferne sah man die Menschenmengen, die sich vor den Einlasskontrollen stauten.
Jedem Erdenbürger würde spätestens jetzt der Gefäßdruck an die Decke schießen. Mir nicht! Seelenruhig stellte ich mich hinten an. Warum? Leute es ist alles
ein Geschehnis der Kommunikation.
Vor mir stand eine Gruppe von altgedienten Hardcore Getreuen.
Ich:
»Jo, hey jo, Leute ich bin der Emilius, freut ihr euch auch so auf die Musikaufführung. Ihr seid prononciert ganz heiße Fans der Kapelle. Jo, hey jo!« Dabei
ist es wichtig als älterer Erdenbürger das Jo, hey, jo, gestenreich rapmäßig mit kreischenden Fingern und Armbewegungen zu unterstützen.
Unzählige Augenpaare sahen mich an, als ob ich ein Alien wäre.
Fan 1, ein für die Haarshampoowerbung nicht geeignetes männliches Vorzeigeobjekt meinte:
»Hey was bist den du für ein Freak, mach das du Land gewinnst!« Und schon wurde ich zehn Reihen nach vorne gespült.
Nächste Aufgabe zehn Reihen weiter!
Ich:
»Hey ihr, die man nicht jeden Tag trifft, jubiliert ihr ebenso dem wohlklingenden Musikevent entgegen wie ich?«
Erwartungskonform passte ich die Lautstärke der Menschenansammlung an.
Meine Worte unterstützte ich sprachlich und körperlich mit dem bewerten Jo, hey, jo. Was ich diesmal mit einer akrobatischen Pommesgabelfingerhaltung
perfektionierte.
Fan 2:
»Sag mal, hat dir jemand ins Gehirn geschissen?« Drei tätowierte langhaarige Kreaturen schubsten mich leicht genervt nach vorne.
Wieder überflügelte ich mehrer Reihen in Richtung Einlass.
Es lief effizient und das Beste war, dass ich meine Geheimwaffe bisher gar nicht zum Einsatz brachte.
Die nächsten Reihen stellten eine echte Herausforderung dar. Die Bierflaschen kreisten bei der ausschließlich von Y-Chromosom-Träger besetzten Truppe. Mir
fiel spontan das Musical »Grease«, mit Olivia Newton John und John Travolta ein.
Die langen Haare meiner nächsten Kontrahenten trieften vor Fett. Wie in einer meditativen Periode schwenkten sie ihre Kopfpracht im
Winde.
»Emilius«, sagte ich zu mir, »nichts ist unmöglich.
Hi Jungs wie ist eure Grundhaltung zur Weltanschauung der Schlagermusik?« Ich hatte nur einen Satz von mir gegeben und war schon Mitglied der »Charming
Group Gelhaar.« Meine neuen Freunde nahmen mich sofort in ihre goldenen Circle auf.
Fan 3:
»Willst du uns verarschen, gebt dem Wicht mal was zu trinken.«
Kaum hatte die Mischung aus Galloway Rind und Orang-Utan ausgesprochen, hatte ich schon eine Bierflasche im Mund.
»Aussaufen, aussaufen«, grölte die Ansammlung der Ungekämmten.
Okey-dokey, dachte ich, fünf Euro fürs Bier gespart. Das drei Weitere folgten, stand nicht auf meinem Schlachtplan. Schnurzegal das Ziel rückte in
unmittelbare Nähe.
Fan: 4
»Und jetzt verpiss dich du kranker Strohkopf!«
Ich sagte danke, genau in dem Moment, als sie mich liebevoll nach vorne warfen. Die von mir Getroffenen, wiederholten jene Wurfaktion und ich flog im
sogenannten Pseudostagediving Richtung Eingangsportal.
Schätzungsweise zwanzig Reihen hatte ich noch vor mir. Die Eingangstüren zum Konzertgelände waren geschlossen. Aber wie lange noch? Die Zeit war reif, die
Sekundärwaffe zu zünden. Ich streifte meine Fanjacke über. Wie ein Modell bei den Pariser Fashion Weeks drehte ich mich im Kreise, so dass jeder, in facto Hinz und Kunz mein flottes
Fan-Accessoire zu sehen bekam.
»Die Flippers, weine nicht kleine Eva«, stand in großen Lettern auf der Rückseite. Weiter unten prangte, ein pompöses Love Herz an meinem schnicken
Lederkittel. Um dem Ganzen die Krönung aufzusetzen, hatte ich mir eine schwarze Plüschratte, mit rosa Nase an den Kragen getackert. Die Menschenmenge gaffte, als ob ihnen soeben der leibliche
Gottseibeiuns erschienen wäre. Fassungslos, gelähmt, zu keiner Reaktion fähig starrten mich die zu Salzsäulen erstarrten Staubgeborenen an.
Die Aufschrift: »Flippers, weine nicht kleine Eva«, hatte für die absolute Verwirrung in den Hirnen der Hard Rocker gesorgt.
Wie bei Moses hatte sich die Menge geteilt. Als ich meine Hand über das Menschenmeer reckte, ließ es die Massen zurückweichen. Wie ein Auserwählter schritt
ich durch die Menschenschar der Musikjünger. Sprachlos verfolgten sie meinem Sologang.
Geil die Flippers hatten mich wieder in die Pol-Position gebeamt.
Die Tore zum Open Air öffneten sich und ein kurzer Sprint brachte mich direkt vor die Bühne.
Schnurstracks drehte ich meine Jacke um 180 Grad und tauschte meine Plüschratte, gegen einen aufsteckbaren Totenkopf aus.
Für alle augenscheinlich glänzte der weißrote Totenkopf, die nachrückenden Menge an. Vergeblich suchten sie nach dem verwirrten
Flippersfan.
Denn auf der Jacke funkelte der Namen der Band, für die ich den ganzen Irrsinn auf mich genommen hatte.
Meiner Lieblingsband »Entombed«
Der Death Metal Wahnsinn konnte starten!
PS: Beim nächsten Mal, probiere ich die Nummer mit Michael Wendler.
Roxy Entertainment
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